Vom Keller bis zum Dach

Er wird fast überall gebraucht. Finn Schmolke macht in Hermannsburg eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker und erklärt, warum der Job so abwechslungsreich ist.


Von Lisa Brautmeier


Finn Schmolke ist als Auszubildender zum Anlagenmechaniker nicht nur dafür zuständig, moderne Heizungssysteme einzubauen. In Neubauten ist er überall zu finden. Ob im Keller, im Bad oder auch auf dem Dach, um Solaranlagen anzubringen.



Hermannsburg. Ob auf dem Dach, im Keller oder im Badezimmer: Finn Schmolke ist in den Gebäuden, die zu seinen Arbeitsorten zählen, überall unterwegs. Er absolviert eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Seine Arbeit wird ihm dabei nie langweilig.


„Ich mag diese Vielseitigkeit, denn jeder Tag ist immer anders“, sagt der 19-Jährige.



Spaß am Ausreißen von Bädern

In seinem Ausbildungsbetrieb, der Firma Schulz Sanitär- und Heizungstechnik in Hermannsburg, kann er in verschiedene Bereiche reinschnuppern. Dabei hat er vor allem Gefallen am Bau und der Installation neuer Bäder gefunden. „Es macht mir richtig viel Spaß, ein Bad komplett rauszureißen und dort alles neu zu bauen und ansprechend zu gestalten“, sagt Schmolke. Er errichtet Wohlfühlbäder nach den Vorgaben und Maßen, die er vorab bekommt. Letzte Absprachen erfolgen dann mit den Kunden vor Ort. Schmolke sorgt für die Verrohrung, schaut, ob alle Anschlüsse sitzen und auf Wunsch wird auch mal die Badewanne kurzfristig ganz woanders errichtet.


Aber die Firma Schulz ist auch in anderen Bereichen tätig, zum Beispiel in der Solar- oder Heizungstechnik. "Interessant ist, dass unsere Mitarbeiter bei einem Neubau von Anfang bis Ende mit dabei sind", sagt Geschäftsführer Siegfried Schulz. Bis so ein Gebäude steht, kann es etwa ein Jahr dauern. "Ich war bei einem Neubau mit 16 Wohneinheiten dabei. Als das fertig gestellt wurde, hat man wirklich gesehen, was man geleistet hat", so Schmolke. Der Auszubildende half Fußbodenheizungen zu installieren, Bäder einzurichten und Abflüsse zu legen.


Vorsicht älteren Gebäuden

Bei älteren Gebäuden ist beim Bohren jedoch Vorsicht geboten. "Da ist es schwieriger, weil die Wände nicht so stabil sind. Da muss man aufpassen, dass man nicht plötzlich im nächsten Raum steht", erzählt der Auszubildende schmunzelnd. Durch einen Kollegen wird Schmolke aber immer unterstützt. Jede Arbeit erfordert Übung, da völlig verschiedene Werkstoffe und Techniken verwendet werden. "Man muss lernen, mit allem umzugehen: Kupfer, Kunststoff, Holz, Blech und Stahl. Da muss man sich erst einmal reinarbeiten", meint Schulz. Aber das kommt mit der Zeit. Spezielle Vorkenntnisse sind dem Geschäftsführer bei Bewerbern auf die Ausbildungsstellen daher auch nicht so wichtig: "Sie sollten einfach eine gute Grundausbildung haben und den nötigen Ehrgeiz mitbringen."


Finn Schmolke war über ein dreiwöchiges Schulpraktikum zur Firma in Hermannsburg gekommen. "Das Arbeitsklima und die Mitarbeiter haben mir hier sehr gut gefallen", sagt der Auszubildende. Hätte er dies nicht bereits absolviert, wäre er vorab noch zu einem Praktikum eingeladen worden. Dadurch möchte die Firma erreichen, dass die Bewerber auf einen Ausbildungsplatz auch sicher sind, dass sie sich den Beruf richtig vorgestellt haben.



Siegfried Schulz, Geschäftsführer der Firma Schulz Sanitär- und Heizungstechnik, wünscht sich von seinen Auszubildenden eine gute Grundbildung und den nötigen Ehrgeiz, neues zu lernen.



Jeder Tag ist anders

Als angehender Anlagenmechaniker ist Schmolke viel unterwegs. Die Arbeit des 19-Jährigen findet in erster Linie auf den Baustellen statt. Ab und an ist er auch im Lager tätig, wenn dort beispielsweise Aufräumarbeiten anstehen. Am Anfang jeder Woche wird abgesprochen, wo er eingesetzt wird. Das können private Häuser oder auch große Kesselanlagen in Betrieben sein. "Man sieht wirklich jeden Tag etwas anderes", freut sich Schmolke. Mit dem jeweiligen Kollegen, dem er dann zugeteilt wird, trifft er sich direkt bei den Baustellen vor Ort. Dadurch hält er sich weniger in der Zentrale auf. So sollen während er Corona-Pandemie unnötige Kontakte vermieden werden.


Auch Wartungsarbeiten und Notdienste, falls irgendwo mal eine Anlage stillsteht, übernehmen die Auszubildenden. "Je mehr man den Kollegen das Gefühl gibt, dass diese einem vertrauen können, desto mehr Aufgaben kommen auf einen zu", so Schmolke. Er würde sich wünschen, dass auch andere junge Menschen beruflich mehr in seine Richtung gehen: "Es ist schade, dass es im Handwerk so wenig Nachwuchs gibt. Dabei ist man ständig in Bewegung und man lernt immer wieder Neues dazu."




Nachgefragt bei David Pollmer, der an der Axel-Bruns-Schule Celle (BBS 2) zuständig ist für die Belange der Anlagenmechaniker im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.


David Pollmer ist zuständig für die Belange der Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik an der Axel-Bruns-Schule Celle.



Wie lange dauert die Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik?

Die Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre, kann aber bei guten Leistungen in der schulischen und fachpraktischen Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzt werden. Dazu müssen die Handwerkskammer, die Berufsschule und der Ausbildungsbetrieb zustimmen.


Worum geht es bei dem schulischen Teil?

In der Schule werden die theoretischen Hintergründe für die im Beruf ausgeführten Arbeiten gelegt. Es gibt eine enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis, die durch die Neueinrichtung unseres praktischen Labors noch einmal eine neue Tiefe erhält. In den so genannten Lernfeldern werden neben den Grundlagen der Metalltechnik auch die fachspezifischen Bereiche wie Heizungsanlagen, Trinkwasserinstallationen, sanitäre Einrichtungen und auch die immer wichtiger werdenden erneuerbaren Energien vermittelt.


Wie gliedert sich die Ausbildung?

Die Ausbildung gliedert sich in den praktischen Teil im Betrieb und die theoretischen Hintergründe in der Schule. Diese werden in der zweigeteilten Abschlussprüfung zusammengeführt. Der erste Teil der Prüfung findet zum Ende des zweiten Lehrjahres statt und zählt 30% der Abschlussprüfung. Hier werden die Grundlagen der Versorgungstechnik in Praxis und Theorie geprüft. Die restlichen 70% werden mit dem zweiten Teil der Prüfung in Praxis und Theorie zum Ende der Prüfung abgelegt. Bei erfolgreichem Bestehen der Prüfung erhalten die Auszubildenden ihren Gesellenbrief und bei ausreichenden schulischen Leistungen auch den Realschulabschluss.


Wie sind die Aussichten auf dem Ausbildungsmarkt?

Die Aussichten sind sehr gut. Im vergangenen Sommer wurden viele vorhandene Ausbildungsplätze leider nicht besetzt. Deshalb sind die Chancen auf einen solchen auch in diesem Sommer aktuell sehr gut. Ein großer Vorteil ist, dass die verschiedenen Firmen im gesamten Landkreis von Adelheidsdorf bis Faßberg und von Wietze bis Lachendorf zu finden sind. So müssen die Auszubildenden nicht erst nach Celle, sondern können häufig quasi vor der Haustür ihre Ausbildung beginnen. Nach bestandener Prüfung werden die Auszubildenden in der Regel von den Firmen weiterbeschäftigt, da auch in der aktuellen Situation eine gute Auftragslage herrscht.


Wem würden sie die Ausbildung empfehlen?

In diesem Job sind alle Charaktere willkommen. Da der Beruf sehr vielfältig ist, können im späteren Berufsleben vom Kundendienst an Bestandsgeräten bis zur Ausstattung eines Neubaus die unterschiedlichsten Ausrichtungen gewählt werden. Ein Hauptschulabschluss ist bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz von Vorteil. Ein kurzes Praktikum in einem Betrieb ist häufig eine gute Grundlage, um gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz zu haben.



Anlagenmechaniker

Was macht man?


Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik installieren Wasser- und Luftversorgungssysteme, bauen Waschbecken, Duschkabinen, Toiletten und sonstige Sanitäranlagen ein und schließen diese an. Als nachhaltige Ver- und Entsorgungssysteme installieren sie unter anderem Anlagen zur Regen- und Brauchwassernutzung. Sie montieren auch Heizungssysteme, stellen Heizkessel auf und nehmen sie in Betrieb. Bei ihren Tätigkeiten bearbeiten sie Rohre, Bleche und Profile aus Metall oder Kunststoff mit Maschinen oder manuell. Zudem bauen sie energieeffiziente und umweltschonende Systeme wie zum Beispiel Solaranlagen, Wärmepumpen und Holzpelletsanlagen in Gebäude ein. Nach der Montage prüfen sie, ob die Anlagen einwandfrei funktionieren und optimal eingestellt sind. Sie installieren Gebäudemanagementsysteme wie zum Beispiel Smart-Home-Systeme und wenden gerätespezifische Software an, zum Beispiel Apps. Sie beraten Kunden, beispielsweise über vernetzte Systemtechnik, und weisen sie in die Bedienung von Geräten und Systemen ein.



Wo arbeitet man?

  • in versorgungstechnischen Installationsbetrieben

  • bei Heizungs- und Klimaanlagenbauern

Arbeitsorte:

  • beim Kunden beziehungsweise auf Baustellen

  • in Werkstätten


Welcher Schulabschluss wird erwartet?


In der Praxis stellen Handwerksbetriebe überwiegend Auszubildende mit Hauptschulabschluss oder mittlerem Bildungsabschluss ein, Industriebetriebe wählen vor allem Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss aus.



Worauf kommt es an?

  • Handwerkliches Geschick und Auge-Hand-Koordination

  • Sorgfalt

  • Körperbeherrschung und Schwindelfreiheit

  • Teamfähigkeit und gute körperliche Konstitution (zum Beispiel beim gemeinsamen Transportieren schwerer Anlagenteile zum Aufstellungsort)


Schulfächer:

  • Werken/Technik

  • Mathematik

  • Physik

  • Deutsch


Was verdient man in der Ausbildung?


Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat in Niedersachsen (in anderen Bundesländern unterschiedlich):


  • 1. Ausbildungsjahr: 682 Euro (Handwerk), 792 Euro (techn. Gebäudeausrüstung)

  • 2. Ausbildungsjahr: 761 Euro (Handwerk), 876 Euro (techn. Gebäudeausrüstung)

  • 3. Ausbildungsjahr: 887 Euro (Handwerk), 907 Euro (techn. Gebäudeausrüstung)

  • 4. Ausbildungsjahr: 960 Euro (Handwerk), 981 Euro (techn. Gebäudeausrüstung)

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